Ein gesegnetes Franziskusfest

An diesem Franziskusfest jährt sich der Todestag unseres Ordenspatrons zum 800. Mal. Wir feiern die Vollendung seines irdischen Lebens und sein Sterben als Transitus, als Hinübergang zu Gott. Wir drücken damit unseren Glauben an das von Gott geschenkte ewige Leben aus, und wir sagen, dass das Leben von Franziskus bleibende Bedeutung hat für uns selbst und darüber hinaus.

Beim Tod eines jeden Menschen schaut man auf dessen Leben zurück. Nahestehende fühlen in ihrer Trauer unmittelbar, was der liebe Verstorbene ihnen bedeutet hat. Dankbarkeit für alles Gute steigt auf, Fragen zu dem, was schwer war, stellen sich ein. Die Beisetzung sucht man im Sinne des Verstorbenen zu gestalten. Predigt und Nachruf wollen die Persönlichkeit würdigen und Trost spenden. Im Kreis der Angehörigen und Freunde werden Erinnerungen ausgetauscht, Anekdoten erzählt.

Bei Personen des öffentlichen Lebens wird auch deren Bedeutung für die Gesellschaft beleuchtet. Es wird eingeordnet, interpretiert: Was hat dieser Mensch bewirkt? Was davon wird bleiben? Was würde er oder sie uns heute sagen?

Jede und jeder von Ihnen wird ihr/ sein eigenes Bild von Franziskus haben. Auch in der franziskanischen Familie, in unserer Kongregation der Dillinger Franziskanerinnen wird immer wieder reflektiert, was sein „Vermächtnis“ für uns und für unsere heutige Welt ist.

Franziskus selbst hat in seinem „Testament“ einige Erfahrungen aufgeschrieben, die für ihn von zentraler Bedeutung waren und die er seinen Brüdern ans Herz legen will.

Der erste Satz lautet: „So hat der Herr mir, dem Bruder Franziskus, gegeben … zu beginnen.“ Grundlegend ist für ihn also, dass er seine Berufung als ein Geschenk Gottes erlebt. Von ihm weiß er sich geführt. Und zuallererst führt ihn der Herr „unter die Aussätzigen“. Er öffnet ihm den Blick für Menschen am Rand, für ihre Not, für ihre Würde. Das verändert alles.

In kleinen, baufälligen Kirchen am Rand der Stadt findet er den Glauben an Jesus Christus. Seine Nähe zeigt sich ihm am Kreuz, im eucharistischen Brot und in seinem Wort. Innerhalb und mit der Kirche will er daher seine Sendung leben (was Kritik nicht ausschließt).

Auch die Brüder werden ihm „gegeben“. Franziskus erkennt, dass er kein Einzelkämpfer ist, sondern in Gemeinschaft „nach der Vorschrift des heiligen Evangeliums leben sollte“, nämlich wie die Apostel mit der Frohen Botschaft zu den Menschen unterwegs zu sein, besonders zu den Armen und Kranken, arm, bereit zu arbeiten und zu dienen, getragen vom schlichten, vertrauensvollen Gebet, und für den Frieden zu wirken. Wenn Franziskus zum Sterben nach Portiunkula gebracht werden möchte, bekräftigt er damit diese Lebensform.

Überhaupt kann auch die Art, wie Franziskus seine letzte Stunde gestaltet, wie ein Vermächtnis gelesen werden. So ist Portiunkula auch ein Symbol für die Brüderlichkeit seiner Gemeinschaft; denn hier hat sie sich zu ihren Mattenkapiteln getroffen, Ereignisse frohen Wiedersehens und Feierns und der gemeinsamen Suche nach dem Willen Gottes.

In seiner Sterbestunde lässt Franziskus die Brüder, die ihm besonders lieb waren, rufen, und ein paar Tage vorher darf ihn Jakoba von Settesoli besuchen (mit Mandelgebäck im Gepäck). Treue zur Armut steht nicht im Widerspruch zu gelebter Freundschaft und Freude.

Zum Lob Gottes lässt er noch einmal den Sonnengesang vortragen. Liebe zur Schöpfung, universale Geschwisterlichkeit, Demut und unbedingtes Vertrauen auf Gott, auch in Leid und Sterben, sind darin ausgedrückt.

Wir wünschen Ihnen eine tiefe und frohe Feier des Transitus von Franziskus und seines Festes am 4. Oktober. Was er gelebt hat, möge uns Vorbild und Ansporn sein. Unsere Welt braucht den Blick für die Würde des Menschen, den Blick für diejenigen, die am Rand stehen, die Solidarität mit den Armen. Sie braucht die Hoffnung über den Tod hinaus. Sie sehnt sich nach Frieden, nach Gemeinschaft, nach der Überwindung von Spaltungen in der Gesellschaft. Die Bewahrung der Schöpfung verlangt einen genügsamen Lebensstil und eine Wirtschaft, die nicht auf Wachstum und Ausbeutung ausgerichtet ist.

Franziskus ermutigt uns: Ich habe das meine getan. Was euer ist, möge euch Christus lehren.