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„In Christus stehen wir mit allen Menschen auf gleicher Augenhöhe und lernen voneinander. Im kreativen Zusammenspiel aller Gaben leuchtet die Fülle des Evangeliums auf.“(Botschaft Ordensrat 2013)

Der Titel, unter dem unser diesjähriges Generalkapitel stand, das vom 30.07. – 13.08.2014 in Dillingen tagte, ist ein Abschnitt aus der Botschaft des Ordensrates von 2013 in Hankinson, USA. Die 38 Delegierten aus den 7 Provinzen – Deutschland, USA, Brasilien und Indien – erweiterten und vertieften diesen Auftrag.

Zu Beginn des Kapitels stellte jede Provinz sehr eindrucksvoll das Leben und Wirken der Schwestern in unterschiedlichen Diensten und verschiedenen Institutionen vor. Erstaunlich sind der Reichtum, die Vielfalt und Kreativität der Schwestern, die trotz Alter und manch anderer schwieriger Umstände ganz nahe bei den Menschen sind. Voneinander erfahren, aufeinander hören und voneinander lernen, lassen uns einander wertschätzen, sowohl die je eigene Kultur als auch die der Mitschwestern in anderen Lebenskontexten. Diese Erfahrungen weiteten den Blick auf die gesamte Kongregation.

Br. Niklaus Kuster, OFMCap, Olten, begleitete uns in der Rückbesinnung auf unsere franziskanischen Wurzeln mit seinem profunden Wissen und seiner gelebten franziskanischen Geschwisterlichkeit.
Im ersten Schritt zeigte er uns die persönliche Gotteserfahrung von Franziskus und Klara auf, die in der radikalen Umsetzung des Evangeliums gegründet ist. Aus dieser Verwurzelung erwächst eine radikal geschwisterliche Haltung gegenüber allen Geschöpfen.
Das entschieden geschwisterliche Profil der franziskanischen Spiritualität lässt die Evangelischen Räte in einem eigenen Licht erscheinen. Br. Niklaus stellte immer wieder heraus, dass das Evangelium zu einem Leben in Fülle beruft.
Leben aus dem Evangelium, als Franziskanerinnen entschieden geschwisterlich leben, hat Konsequenzen für gemeinschaftliche Formen der Verantwortung, Entscheidung und Leitung.
In einer letzten Betrachtung schaute Br. Niklaus mit uns auf das Lied der Schöpfung, den Sonnengesang, das „Credo auf eine Welt ohne Grenzen“. Der Sonnengesang entstand außerhalb der Mauern von Assisi. Er gibt Franziskus und uns einen neuen Blick auf die Welt, die gesamte Schöpfung, lässt Grenzen überschreiten. Durch die Begegnung mit dem Sultan wird Franziskus zum Propheten des interreligiösen Dialogs.

Nach Tagen intensiver Auseinandersetzung mit unserer franziskanischen Spiritualität, konkretisierten wir das Gehörte in der Bearbeitung der anstehenden Sachthemen: verantworteter Umgang mit der Schöpfung, Führen und Leiten in unseren franziskanischen Gemeinschaften und Austausch über ein zeitgemäßes Ordenskleid.

2016 dürfen wir Dillinger Franziskanerinnen dankbar auf 775 Jahre unseres Bestehens zurückschauen. Es gab viele Ideen zur Gestaltung des Jubiläumsjahres für die gesamte Kongregation und für die Gemeinschaften vor Ort. An erster Stelle steht der Dank an Gott, der uns durch die Jahrhunderte bis heute begleitet und leitet.

Am Ende des Kapitels dürfen wir dankbar Rückschau halten auf den Reichtum unserer Franziskanischen Spiritualität, auf das gelungene Miteinander, die geschwisterliche Begleitung durch Br. Niklaus Kuster, OFMCap und durch P. Michael Pfenning, SAC, den Moderator, und vor allem auf die geschenkte Chance, uns zwischen den Wahlkapiteln bei einem eigenen „spirituellen Kapitel“ begegnen zu dürfen.

Uns gilt der Auftrag, den Franziskus am Ende seines Lebens an seinen Brüdern gegeben hat: „Ich habe das Meine getan, was euer ist, möge euch Christus lehren!“ (2C 214)
(Sr. Pernela Schirmer)

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