Wir wünschen Ihnen ein gesegnetes und frohes Weihnachtsfest – möge der Friede und die Freude in Ihren Herzen aufstrahlen. Und ein gesegnetes Jahr 2026.
Hier finden Sie den Weihnachtsbrief der Generalleitung:
„Mit der Öffnung der Heiligen Pforte am Heiligabend des Jahres 2024 hat Papst Franziskus das Große Jubiläum der Hoffnung eröffnet. Und diese Tür wird am Fest der Erscheinung des Herrn im Jahr 2026 geschlossen, das das Ende des Heiligen Jahres markiert. Weihnachten feiern wir in diesem Jubiläumsjahr 2025.
Die Engel verkünden: „Verherrlicht ist Gott in der Höhe, und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade.“ (Lk 2,14). Aber dieser Friede ist nicht passiv. Er erfordert Handeln. Als Nachfolgerinnen Christi sind wir dazu berufen, Friedensstifterinnen zu sein. Das bedeutet, sich gegen Ungerechtigkeit zu stellen, sich für die Unterdrückten einzu-setzen und unermüdlich für Versöhnung zu arbeiten.
Es bedeutet, nicht nur für den Frieden zu beten, sondern auch für den Mut, selbst Werkzeuge dieses Friedens zu sein. Politische Unruhen und gesellschaftliche Spaltungen erfordern den gleichen Mut. Wir erinnern uns an die Worte von Papst Franziskus: „Friede ist nicht nur die Abwesenheit von Krieg, sondern ein Werk der Gerechtigkeit“ (vgl. Evangelii Gaudium, 218).
Die frohe Botschaft der großen Freude gilt dem ganzen Volk Gottes. Als Volk Gottes haben wir einen Anspruch auf die Freude und den Frieden, die die Geburt Christi der Welt bringt. Doch wie treten wir persönlich in diese „große Freude“ von Weihnachten ein? Weihnachten läutet „Freude für die Welt“ ein, ja, aber wie machen wir uns diese Freude zu eigen? Das ist eine wichtige Frage, denn, obwohl Gott der ganzen Welt die Freude verkündet hat, gibt es immer noch viele unter uns, die nichts von dieser Freude verspüren, viele unter uns, die nicht wissen, wie sie sich diese Freude persönlich zu eigen machen können. In der Prophezeiung des Jesaja hören wir die Worte: „Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter; man nennt ihn Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens.“ (Js 9,5). Diese Prophezeiung spricht von einem göttlichen Herrscher, der Frieden bringt, der über das menschliche Verständnis hinausgeht. Dennoch müssen wir uns fragen: Wo ist dieser Frieden in einer Welt, die von Krieg und Ungerechtigkeit belastet ist?
Die Geburt Christi ist nicht die Verheißung eines unmittelbaren, weltlichen Friedens. Vielmehr ist es das Versprechen eines Friedens, der in unseren Herzen beginnt und nach außen strahlt und den Einzelnen/ die Einzelne und schließlich die Gesellschaft verändert. Jesu Mission war es nicht, Imperien mit Gewalt zu stürzen, sondern den Hass mit Liebe zu besiegen, die Finsternis mit Licht zu vertreiben und die Sünde mit Barmherzigkeit zu überwinden. Das ist der Friede, der alles Verstehen übersteigt (Phil 4,7) und der Friede, den unsere zerbrochene Welt so dringend braucht.
Stellt Euch die Szene der Geburt Christi vor. Maria und Josef, ein bescheidenes Ehepaar, finden in der Herberge keinen Platz. Sie werden an den Rand gedrängt und Maria gebärt in einem Stall. Diese Kulisse spiegelt die Notlage so vieler Menschen wider, die heute vertrieben, ausgegrenzt oder in Angst leben. Denkt an die Familien, die ständig von Gewalt bedroht sind, oder an die Flüchtlinge, die vor politischer Unterdrückung auf der ganzen Welt fliehen. Die Geburt Christi spricht diese Realitäten direkt an.
Gott hat sich nicht ausgesucht, in eine friedliche Welt zu kommen. Er trat in eine gebrochene Welt ein, genau wie unsere es ist. Seine Ankunft in einer bescheidenen Krippe bedeutet, dass Gott in
der Unordnung und im Schmerz des menschlichen Daseins gegenwärtig ist. Die Hirten, die als Ausgestoßene gelten, sind die ersten, die die gute Nachricht hören und uns daran erinnern, dass Gottes Reich für die Geringsten, die Verlorenen und die Niedrigen ist. Dies sollte uns herausfordern, uns zu fragen: Wie sind wir aufgerufen, das Licht Christi zu denen zu bringen, die am Rande der Gesellschaft stehen?
Wir sind auch aufgerufen, ein inkarniertes Leben zu führen, während wir die Menschwerdung feiern. So wie Gott Fleisch angenommen hat und in die Geschichte der Menschheit eingegangen ist, sind wir aufgerufen, Gottes Liebe im Hier und Jetzt zu verkörpern. Das bedeutet, Hände und Füße Christi zu sein in einer Welt, die sich nach Heilung sehnt. Es bedeutet, zu erkennen, dass es in der Weihnachtsgeschichte nicht nur darum geht, was vor 2000 Jahren passiert ist, sondern um das, was heute in und durch uns geschieht.
Wenn wir auf die Krippe blicken, denken wir daran, dass das Kind, das dort liegt, Emmanuel ist, Gott mit uns. Er ist mit uns in unseren Freuden und in unseren Leiden, in unseren Kämpfen und in unseren Triumphen (Siegen). Er ist bei uns inmitten von Krieg und Unruhen, flüstert uns das Versprechen des Friedens zu und lädt uns ein, Mitschöpferinnen dieses Friedens zu sein. Dies ist die Zeit der Hoffnung, in der wir eingeladen sind, die Freude der Begegnung mit dem Herrn wiederzuentdecken. In diesem Heiligen Jahr haben wir viele Anstrengungen für unsere geistliche Erneuerung unternommen und verpflichten uns, bei der Verwandlung unserer Welt mitzuwirken. Können wir sagen, dass dieses Jahr wirklich eine Zeit des Jubels war: ein Jubel für unsere Mutter Erde, die durch Geschäftemacherei entstellt wurde; eine Zeit des Jubels für die ärmeren Länder, die unter unfairen Schulden leiden; eine Zeit des Jubels für alle, die den alten und neuen Formen der Sklaverei hörig sind? Könnten wir für diese Anliegen nicht wenigstens einen kleinen Finger rühren?
Liebe Schwestern, feiern wir in diesem Jubiläumsjahr die Geburt Christi nicht nur mit einem Herzen voller Dankbarkeit, sondern auch mit einem erneuerten Engagement, Trägerinnen des Lichts Christi in einer verfinsterten Welt zu sein. Jesus, Gott-mit-uns, ist für dich, für mich, für uns, für jeden Mann und jede Frau geboren und durch ihn kann die Welt verwandelt werden. Die Botschaft von Weihnachten ist für uns heute klar: Dies ist ein Spiegelbild eines größeren Schatzes – Liebe, die unentgeltlich geschenkt wird, Hoffnung erneuert und Freude, die selbst die dunkelste Nacht verwandelt.“